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Mehr Lernerfolg mit dem 70-20-10-Modell

Wie kann ich das 70-20-10-Modell nutzen, um Lernen in meinem Unternehmen nachhaltiger zu gestalten?

 

Nutzen Sie das 70-20-10-Modell, um Lernen ganzheitlich zu gestalten: 70 % durch praktische Erfahrungen im Arbeitsalltag, 20 % durch Austausch und Feedback im Team und 10 % durch formale Trainings. So fördern Sie nachhaltige Wissensanwendung statt reiner Theorie. Kombinieren Sie gezielte eLearnings mit praxisnahen Projekten und Mentoring, um Lernprozesse effektiv und motivierend zu gestalten.

Erfahren Sie in unserem Blogartikel, wie genau Sie das 70-20-10-Modell optimal in Ihr Corporate Training integrieren, mit konkreten Praxisbeispielen und Umsetzungstipps.

 
 

Als HR-Expert*in, E‑Learning-Autor*in, Projektmanager*in oder Corporate Trainer*in suchen Sie stets nach Wegen, Ihr Team beim Lernen und bei der beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen – und sicherzustellen, dass das erworbene Wissen nachhaltig verankert wird. Hier kommt das 70-20-10-Modell ins Spiel. Es bietet ein solides Framework, das traditionelles Lernen mit praxisorientierten Methoden kombiniert und das Wissen Ihrer Mitarbeitenden festigt. In diesem Artikel erfahren Sie, was das 70-20-10-Modell ist, wie es Ihr Corporate Training bereichert und wie Sie es umsetzen können.

 

Was ist das 70-20-10-Modell?

Das 70-20-10-Modell ist ein bewährter Ansatz für das Lernen und die Weiterbildung Erwachsener, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber basiert, wie Menschen am effektivsten lernen. Es wurde vom Center for Creative Leadership entwickelt, das Studien zur Lernmethodik erfolgreicher Führungskräfte durchführte. Mit über 30 Jahren Forschung und Praxis hat dieses Modell seine Wirksamkeit mehrfach bewiesen.

Das Framework beruht auf der Erkenntnis, dass der größte Teil des Lernens nicht im Klassenzimmer stattfindet, sondern durch reale Erfahrungen und Interaktionen. Dementsprechend empfiehlt das Modell ein ideales Verhältnis aus praxisorientiertem, sozialem und traditionellem Lernen. Wird das Training anhand dieses Modells strukturiert, wird Lernen zu einem integralen Bestandteil der täglichen Arbeit, wodurch Ihre Entwicklungsbemühungen effektiver werden und Ihr Unternehmen langfristige Ziele besser erreicht.

 
Kristal Fellinger Copywriterin und Übersetzerin

Kristal Fellinger

Texterin und Übersetzerin

Kristal Fellinger ist eine ausgebildete Copywriterin, Transcreation-Expertin und CIOL-zertifizierte Übersetzerin. Seit fast 20 Jahren lebt und arbeitet sie in Deutschland und Österreich, wo sie deutschsprachige Firmen dabei hilft, englischsprachige Kund:innen gezielt und wirkungsvoll zu erreichen.
  • Übersetzung
  • Transcreation (kreatives Übersetzen)
  • Content Erstellung (copywriting)
 

Die Bestandteile des 70-20-10 Modells

Das Modell unterteilt Lernen in drei Modalitäten: Erfahrungsbasiertes, soziales und strukturiertes Lernen. Jede dieser Lernformen sollte einen bestimmten Prozentsatz Ihres Trainingsprogramms ausmachen, um ein ideales Gleichgewicht zwischen formellem und informellem Lernen zu erreichen. Dies fördert effektives Lernen und die langfristige Wissensspeicherung. Zusammen ergeben diese Elemente einen ganzheitlichen Ansatz, der Theorie, Praxis und Teamarbeit kombiniert, um langfristige Lernergebnisse zu verbessern.

 

Strukturiertes Lernen (10 %)

Rund 10 % des Lernens sollten durch formelle Methoden erfolgen. Dazu zählen Workshops, Webinare, digitale Kurse oder andere Bildungsinhalte. Diese Ansätze eignen sich hervorragend, um neue Konzepte klar und strukturiert zu vermitteln.

Soziales Lernen (20 %)

Soziales Lernen umfasst den Wissensaustausch und die Vertiefung von Kompetenzen durch Zusammenarbeit, Coaching, Mentoring und Feedback. Beispiele sind Diskussionsforen in einer unternehmensinternen Lerncommunity. Soziales Lernen verstärkt das Wissen aus strukturierten Trainingsprogrammen.

Erfahrungsbasiertes Lernen (70 %)

Der Großteil des Lernens sollte durch praktische Erfahrungen am Arbeitsplatz erfolgen. Dazu gehören die Bewältigung von Herausforderungen, das Lösen von Problemen und das Übernehmen neuer Aufgaben. Mitarbeitende können beispielsweise Kolleg:innen begleiten, Simulationstrainings absolvieren, an praxisorientierten Lernsitzungen teilnehmen oder durch Projektarbeit lernen.

 

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Wie das 70-20-10-Modell Ihrem Unternehmen zugutekommt

Das ausgewogene Framework des 70-20-10-Modells macht Lernen und Entwicklung effektiver, was Ihrem Unternehmen hilft, langfristige Geschäftsziele zu erreichen und resilienter zu werden. Die Kombination aus erfahrungsbasiertem Lernen, sozialer Zusammenarbeit und formeller Bildung schafft eine Umgebung, in der Mitarbeitende Wissen nicht nur erwerben, sondern es auch effektiv in ihren Rollen anwenden. Dies stellt sicher, dass Lernen nicht als einmalige Aktivität verstanden wird, sondern als kontinuierlicher Prozess, der tief in den Alltag Ihres Unternehmens integriert ist.

 

Eine Kultur des Wachstums und der kontinuierlichen Verbesserung fördern

Eine der Stärken des Modells ist die Förderung einer Lernkultur, die auf kontinuierlicher Verbesserung und einer Wachstumsmentalität basiert. Wenn 90 % des Lernens aus Erfahrungen und Interaktionen stammen, entwickeln Mitarbeitende die Fähigkeit, eigenständig Lösungen zu finden und Wachstumschancen zu nutzen. Beispielsweise muss ein Team, das ein neues Projekt bearbeitet, Problemlösungskompetenzen entwickeln, wenn unerwartete Herausforderungen auftreten. Gleichzeitig ermöglichen informelle Mentoring- und Feedback-Sitzungen den Wissensaustausch zwischen Kolleg:innen, wodurch alle profitieren.

Dieser ständige Lern- und Anpassungsprozess erhöht langfristig die Resilienz Ihrer Organisation und befähigt Mitarbeitende, auf Veränderungen im Geschäftsumfeld flexibel zu reagieren. Eine dynamische Lernkultur trägt zudem dazu bei, Top-Talente zu halten, da Mitarbeitende Wertschätzung erfahren und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten sehen.

 

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Lernen Sie die wichtigsten Schritte kennen, die jedes Unternehmen durchlaufen muss, um eine positive Lernkultur zu erschaffen und zu pflegen. Sie erhalten einen strukturierten und nachvollziehbaren Leitfaden, um Lernen nicht nur in Ihrer Unternehmenskultur, sondern auch fest im Arbeitsalltag zu verankern.

 

Eine anpassungsfähige Organisation schaffen

Aus strategischer Sicht unterstützt das 70-20-10-Modell das langfristige Unternehmenswachstum, indem es Produktivität steigert und Innovation fördert. Durch die Integration von Lernen in die tägliche Arbeit werden Zeit und Ressourcen für traditionelle Schulungsprogramme reduziert, während Mitarbeitende dennoch kontinuierlich ihre Fähigkeiten erweitern. Der soziale Lernaspekt fördert zudem die Zusammenarbeit zwischen Teams und Abteilungen, wodurch Wissensaustausch angeregt und organisatorische Silos abgebaut werden. Dies erhöht die Anpassungsfähigkeit Ihres Unternehmens und sorgt dafür, dass es im schnelllebigen Markt wettbewerbsfähig bleibt.

 

Das 70-20-10-Modell in Ihrem Unternehmen implementieren

Falls Ihr aktuelles Trainingsprogramm stärker auf formelles, traditionelles Lernen ausgerichtet ist, mag der Übergang zum 70-20-10-Modell zunächst herausfordernd erscheinen. Doch die gute Nachricht ist: Es muss nicht alles auf einmal geschehen. Das 70-20-10-Verhältnis ist ein Ideal, aber selbst kleine Schritte hin zu mehr erfahrungs- und sozialem Lernen sind wertvoll. Hier sind einige Leitlinien für die Umsetzung:

 

1.

Analysieren Sie Ihr aktuelles Trainingsprogramm

Beginnen Sie damit, Ihre bestehenden E‑Learning-Angebote zu überprüfen und Bereiche zu ermitteln, in denen neben der formalen Schulung auch Erfahrungslernen und soziales Lernen hinzugefügt werden könnten. Wenn sich Ihr Programm beispielsweise hauptsächlich auf die Vermittlung von Inhalten in Kursen und Webinaren konzentriert, überlegen Sie, wo Sie praktische Projekte oder gemeinsame Aktivitäten einbinden könnten, um die Anwendung am Arbeitsplatz zu fördern. Wenn Sie bereits eine Mischung aus verschiedenen Methoden verwenden, überprüfen Sie das Verhältnis und überlegen Sie, wo Sie etwas ändern könnten, um das Ideal von 70-20-10 zu erreichen.

2.

Erstellen und integrieren Sie erfahrungs- und soziale Lernaktivitäten

  • Denken Sie darüber nach, am Ende bestimmter Kurse ein Modul für erfahrungsbasiertes Lernen hinzuzufügen. Sie könnten beispielsweise Mitarbeitende einen Kurs zum Thema Führung absolvieren lassen und ihnen dann die Leitung einer Aktionslerngruppe oder einer anderen Arbeitsgruppe übertragen.
  • Bauen Sie Jobrotationen in Ihre Organisationsstruktur ein. Dies hilft den Teammitgliedern, neue Fähigkeiten zu erlernen, und fördert außerdem die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen den Abteilungen.
  • Richten Sie Mentoringprogramme ein, falls Sie diese noch nicht haben. Und falls Sie sie bereits haben, überlegen Sie, wie sie erweitert werden können, um mehr Mitarbeiter einzubeziehen.
  • Schaffen Sie eine kollaborative Umgebung mit Tools wie Slack oder Microsoft Teams, damit Mitarbeitende in einem praktischen Chat-Format voneinander lernen können.

3.

Nutzen Sie Ihr Lernmanagementsystem (LMS)

Selbst wenn Sie versuchen, das Gleichgewicht zwischen Lernen und Entwicklung weg vom formalen Lernen zu verlagern, kann Ihr LMS (Learning Management System) dennoch ein integraler Bestandteil des Programms sein. Hier sind einige Möglichkeiten, wie Sie es zu Ihrem Vorteil nutzen können:

  • Ergänzen Sie Ihre vorhandenen E‑Learning-Module durch szenariobasierte Lernmodule wie die im Knowledgeworker Coach enthaltenen.
  • Integrieren Sie Mikrolernmethoden wie Knowledgeworker Cards, damit Mitarbeitende das zuvor Gelernte schnell auffrischen können. Dies kann dazu beitragen, das durch strukturierteres Lernen erworbene Wissen zu festigen.
  • Stellen Sie das Lernen nach Bedarf mit „Just-in-time“-Prinzipien zur Verfügung. „Just-in-time“-Lieferung ist ein Konzept aus der Welt der Fertigung und kann auch Ihren Mitarbeitenden helfen, bei ihren Projekten des Erfahrungslernens erfolgreich zu sein. Wenn jemand beispielsweise zum ersten Mal eine Jobrotation absolviert oder ein Team leitet, möchte er vielleicht spontan Informationen nachschlagen.
  • Erstellen Sie Lernpfade, die sowohl digitale als auch reale Aktivitäten umfassen. Sie können beispielsweise einen Pfad einrichten, bei dem Mitarbeitende einen Kurs zum Thema Projektmanagement absolvieren und anschließend ein kleines Projekt leiten.
  • Erstellen Sie Berichte, um den Fortschritt zu verfolgen und Berichte zu erstellen, damit Sie sehen können, wie nah Ihre Mitarbeitenden dem „Goldenen Schnitt“ von 70-20-10 kommen.
 

So kommt alles zusammen

So könnte dies in Ihrem Unternehmen aussehen: Stellen Sie sich vor, Sie führen eine Lern- und Entwicklungsstrategie ein, die auf dem 70-20-10-Modell basiert. Ihre bestehenden E‑Learning-Kurse und -Module wären weiterhin ein wichtiger Bestandteil Ihres Mitarbeiterentwicklungsprogramms, würden aber als Vorstufe für praktische und kollaborative Aktivitäten dienen.

Zunächst würden Sie das Lernen am Arbeitsplatz und das Erfahrungslernen im gesamten Unternehmen verstärken. Eine breite Palette von Mitarbeitenden würde damit beginnen, anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen oder an funktionsübergreifenden Projekten teilzunehmen, um ihnen zu helfen, neue Fähigkeiten am Arbeitsplatz anzuwenden.

Um das soziale Lernen zu unterstützen, könnten Sie ein Mentoring-Programm einrichten, bei dem erfahrene Mitarbeitende weniger erfahrene Kollegen anleiten und praktische Erkenntnisse austauschen, wodurch die Zusammenarbeit und der Wissensaustausch gefördert werden.

Mit Ihrem LMS können Sie ausgewogene Lernpfade für Ihre Mitarbeitenden erstellen, die all diese Elemente beinhalten. Das LMS kann Ihnen auch dabei helfen, den Fortschritt zu überwachen und sicherzustellen, dass das gewünschte Verhältnis eingehalten wird. Zusammen schaffen diese Strategien eine ausgewogene, effektive Lernumgebung, die das Wachstum fördert und sicherstellt, dass Ihr Lern- und Entwicklungsprogramm Ihrem Unternehmen dabei hilft, seine langfristigen Geschäftsziele zu erreichen.

 

Fazit.

Das 70-20-10-Modell bietet eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, um Corporate Trainings effektiver zu gestalten. Es macht Lernen zu einem integralen Bestandteil des Arbeitsalltags und fördert eine Kultur des Wachstums und der kontinuierlichen Verbesserung. Mit der richtigen Strategie und der Unterstützung eines LMS können Sie Lernpfade gestalten, die sowohl strukturiertes als auch soziales und erfahrungsbasiertes Lernen beinhaltet. Ein LMS kann auch dazu verwendet werden, Ihre Fortschritte bei der Erreichung dieses idealen Verhältnisses zu überwachen. Die Entwicklung eines ganzheitlichen Entwicklungsprogramms, das alle drei Komponenten im richtigen Verhältnis zueinander enthält, macht das Lernen effektiver und fördert eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung. Letztendlich macht dies Ihr Unternehmen widerstandsfähiger und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es seine langfristigen Ziele erreicht. 

 
Kristal Fellinger Copywriterin und Übersetzerin
Kristal Fellinger
Copywriter & Translator
 

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