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Onlinekurse erstellen:

Der didaktische Workflow

 
Erstellung eines didaktischen Konzepts für einen Onlinekurs

Sie stehen vor der Aufgabe, Ihren ersten Online-Kurs zu erstellen. Bevor Sie jedoch damit beginnen, die Inhalte im Autorentool zusammenzusetzen, braucht es ein Konzept, das dem Kurs einen funktionierenden didaktischen Rahmen gibt. In diesem Artikel stellen wir step by step alle Punkte vor, die ein solches Konzept berücksichtigen muss. Mit diesem Leitfaden werden Sie anschließend selbst didaktische Konzepte erstellen können, auf Basis derer Sie garantiert erfolgreiche Online-Kurse erstellen.

 

Die Basis für einen erfolgreichen Onlinekurs

Bedarfsanalyse

Bevor Sie mit der Konzeption Ihrer Inhalte beginnen, sollten Sie genau evaluieren, wie der Bedarf nach dem neuen Wissen eigentlich genau aussieht. Wie setzt sich Ihre Zielgruppe zusammen? Auf welches Vorwissen können Sie setzen? Sind ausreichend Kompetenzen vorhanden? Welcher Grad der Weiterbildung – Basiswissen oder Expertenwissen – soll erreicht werden und welche Methoden sind dafür eigentlich geeignet? Mit der Bedarfanalyse stellen Sie sicher, dass Sie Ihre wertvollen Ressourcen in erfolgreiche Online-Kurse investieren, die zum Unternehmensziel beitragen und bei den Lernenden auf Zuspruch treffen. Je nach Fall helfen dabei auch Statistiken, Verkaufszahlen, Kundenfeedback, Mitarbeitergespräche und ähnliches. Analysieren Sie in diesem Rahmen auch, welche Personen überhaupt Schulungsbedarf haben. Gerade bei Veränderungen, Neueinführungen oder der Etablierung neuer Strategien können unter Umständen auch Mitarbeitende von einer Weiterbildung profitieren, die nicht in der primär betroffenen Abteilung tätig sind.

 

Zielstellung & Festlegung der Lernerfolge

Mit einem Weiterbildungsangebot verfolgen Sie natürlich ein Ziel, welches genau formuliert sein sollte: Was sollen die Lernenden nach Abschluss des Kurses wissen oder tun können? Je präziser Sie diese Frage beantworten können, desto zielgerichteter können Sie den Kurs anschließend didaktisch aufbauen und Inhalte gezielt hinzufügen oder auch weglassen. Ein Lernziel könnte beispielsweise wie folgt formuliert werden:

­­­“Die Mitarbeiter sollten in der Lage sein, in der neuen Projektmanagement-Software eigenständig Aufgaben für sich und andere Teammitglieder anzulegen und zu terminieren, Arbeitsfortschritte einzutragen, den Projekten Dateien zuzuweisen und abgeschlossene Projekte zu archivieren.”

Aus dieser Zielstellung lassen sich später präzise die Inhalte des Kurses ableiten und Lernerfolge auswerten. Würden Sie stattdessen formulieren 

“Die Mitarbeiter sollten in der Lage sein, mit der neuen Projektmanagement Software umzugehen”, 

würde es Ihnen vermutlich schwerer fallen abzuwägen, welche Inhalte für den Software-Grundkurs wirklich relevant wären. Auch wäre es hinterher nicht möglich, den Erfolg des Kurses deutlich zu verifizieren.

 

Zielgruppenanalyse

Ähnlich verhält es sich mit der Zielgruppe. Je mehr Informationen Sie über Ihre Zielgruppe haben, desto präziser können Sie den Online-Kurs schließlich anpassen. Beantworten Sie daher vorab folgende Fragen: 

 

Wie viele Lernende nehmen teil?

Wie alt sind die Lernenden?

Welche Sprache sprechen sie?

Welches Bildungsniveau haben die Teilnehmenden?

Welche technischen Voraussetzungen und Kenntnisse bringen die Lernenden mit?

Welche Grundkenntnisse haben die Lernenden zu dem jeweiligen Thema?

Welche Lerntypen sind die Teilnehmenden?

Gibt es Lernende mit Einschränkungen?

 
Lernzielgruppe von Onlinekursen

Aus der Beantwortung der Fragen leitet sich ab, mit welchen Medien Sie arbeiten, wie interaktiv der Kurs gestaltet werden kann, ob die Inhalte barrierefrei angelegt werden müssen, wie umfangreich die einzelnen Lektionen sein dürfen, usw. Würden sich beispielsweise nur auditive Lerntypen in ihrer Zielgruppe befinden, würden Sie vermutlich vorrangig mit gesprochenen Texten arbeiten. Haben Sie ein durchgängig akademisches Bildungsniveau unter den Teilnehmenden, könnten Sie auch das Sprachniveau höher ansetzen und mehr Wissen in den einzelnen Lektionen vermitteln. 

Insgesamt gilt dabei wie auch im Marketing: Je kleiner die Zielgruppe, desto präziser lassen sich die Kurse gestalten und umso höher ist der Lernerfolg. Natürlich lassen sich Kurse mit grundlegend gleichen Inhalten für verschiedene Zielgruppen aufbereiten.

 

Analyse der Lernbedingungen

In diesem Rahmen gilt es auch, die Lernbedingungen zu hinterfragen:

  • In welchen Umgebungen lernen die Teilnehmenden? (In Transit, auf Arbeit, Zuhause)
  • An welchen Geräten lernen die Teilnehmenden? (PC, Smartphone)
  • Stehen den Lernenden die Endgeräte zur Verfügung oder müssen diese bereitgestellt werden?

Lernen die Teilnehmenden beispielsweise vor allem in Transit auf dem Arbeitsweg, würden Sie die einzelnen Lektionen eher in kurzen Nuggets anbieten. Die genutzten Geräte entscheiden wiederum über die Darstellung der Inhalte. Grundlegend ist es hier von Vorteil, mit einer Software zu arbeiten, die von Vornherein eine vollständig responsive Variante der Online-Kurse anbietet.

 

Konzeptionierung des Online-Kurses

Ist der Bedarf an einem E-Training verifiziert und Zielgruppe und Lernbedingungen identifiziert, können Sie auf Basis dieser Informationen den Kurs didaktisch konzeptionieren.

 

Strukturierung des Kurses in Kapitel und Unterkapitel passend zu den Lernzielen

Im ersten Schritt werden sämtliche relevanten Inhalte in Kapiteln und Unterkapiteln passend zum übergeordneten Lernziel strukturiert. Diese Struktur gleicht einem Inhaltsverzeichnis eines Buches. Um auch hierbei möglichst zielorientiert zu arbeiten, werden die Kapitel als Lernziele formuliert. Am Beispiel der Projektmanagement-Software könnten Kapitel und Unterkapitel wie folgt lauten:

 
 

Jedes Unterkapitel entspricht dabei einem separaten Wissensbaustein, aus denen sich schließlich der gesamte Kurs zusammensetzt. Der vielleicht bedeutendste Vorteil, den eine solche Strukturierung neben der allgemeinen Zielorientierung bietet, ist, dass in manchen Learning Content Management Systemen einzelne Wissensbausteine auch in anderen Kursen wiederverwendet werden können. Je kleiner dabei die Bausteine, desto besser lassen sie sich später recyclen. Wenn wir beim Beispiel unserer PM-Software bleiben, könnten Sie den Kurs also sowohl für Projektmanager*Innen, aber auch für “einfache” Teammitglieder anbieten. Während die Grundfunktionen für beide Zielgruppen dieselben sind (diese Wissensbausteine können also in beiden Kursen verwendet werden, ohne dass sie dafür neu angelegt werden müssen), können Sie dem Kurs für die Projektmanager*Innen zusätzliche Kapitel für spezielle Organisationsfunktionen hinzufügen.

 
Magda Lehnert | Bloggerin

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Den Lernpfad festlegen

Legen Sie anschließend fest, wie Sie die einzelnen Kapitel bewerten. Muss ein Kapitel erst erfolgreich abgeschlossen werden, um wieder andere freizuschalten oder können die Unterkapitel unabhängig voneinander absolviert werden? Und welche Kapitel müssen zusätzlich mit einem Test abgeschlossen werden, um als erfolgreich absolviert zu gelten? Ein Storyboard hilft, den Lernpfad zu visualisieren (siehe unten).

 

Medieneinsatz nach Lernzielen und Zielgruppen

Wie oben bereits angedeutet, lassen sich auch Medienelemente und Gamification-Anwendungen gezielt nach Lernziel, Zielgruppen und Lernumgebung auswählen. Audio-Dateien, (interaktive) Videos, Quizzes mit verschiedenen Fragetypen, interaktive Infografiken … die Liste an einsetzbaren Medien ist lang. Erkundigen Sie sich, welche mögliche Medien und Einsatzmöglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen. Entscheiden Sie im Anschluss, welche Medien am ehesten zum Lernziel führen und welche am besten zu den Präferenzen der Zielgruppe passen. Haben Sie eine junge Zielgruppe, können Sie bedenkenlos mit jeglichen interaktiven Elementen arbeiten und präsentieren die Inhalte am besten in Form von Videos. Ist die Zielgruppe eher älter, werden wahrscheinlich Texte in Verbindung mit interaktiven Elementen bevorzugt.

 

Erstellung und Umsetzung des Storyboards

Schematisierung Storyboard von Onlinekursen

Sind Kapitel, Lernpfad und Medieneinsatz definiert, können Sie den Kurs in einem Storyboard choreographieren. Ein solches Storyboard kann entsprechend Ihrer Präferenzen eine einfache Exceltabelle oder auch eine digitale Visualisierung sein, die Sie später an die Kurs-Entwickler*In weitergeben oder selbst für die Erstellung verwenden. Hierbei werden jedem einzelnen Unterkapitel folgende Informationen hinzugefügt:

  • Titel des (Unter)kapitels
  • Bildschirmtext- und Elemente (grob skizziert)
  • Inhalte von Audio- oder Videodateien (grob formuliert)
  • interaktive Elemente
  • Navigationselemente und eventuelle Verzweigungen
  • Hinweise zum Lernpfad und Abhängigkeiten zwischen den Unterkapiteln

 

Unser Tipp: An dieser Stelle ist es hilfreich, bereits einen Überblick über alle Elemente zu haben, die Ihr Autorentool bietet. So können Sie bereits bei der Konzeptionierung frei aus allen Möglichkeiten schöpfen.

 

Review und Optimierung

Haben Sie alle hier genannten Punkte beachtet und sämtliche Informationen einbezogen, die Sie über Ihre Zielgruppe und deren Lernbedingungen kennen, liegt Ihnen nun mit Sicherheit ein didaktisch schlüssiges Konzept vor, das maximale Lernerfolge verspricht. Trotzdem können sich in der Praxis bestimmte Aspekte des Kurses als optimierungsfähig erweisen. Planen Sie deshalb bei der Umsetzung genügend Zeit für einen Test,  Feedback-Runden mit den Testpersonen und später auch für die Erfolgsauswertung und Reflexion ein. Auf diese Weise wird es Ihnen gelingen, die didaktischen Konzepte für Ihre Online-Kurse nach und nach zu optimieren, an individuelle Gegebenheiten anzupassen und den Lernerfolg zu steigern.

 
Magda Lehnert | Bloggerin
Magda Lehnert
Texterin
 

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Bildquelle: maicasaa/shutterstock

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