So verwandeln Sie Präsenzschulungen in erfolgreiche Online-Kurse

So verwandeln Sie Präsenzschulungen in erfolgreiche Online-Kurse

Magda Lehnert E-Learning Grundlagen, E-Learning Inhalte & Design

Lesedauer: 7 Minuten
Es gibt viele wirklich gute Gründe, Präsenzschulungen (auch) als Onlinekurse anzubieten. Wollen Sie nun Ihre bisherigen Präsenzschulungen in Online-Kurse umwandeln, ist dies im Grunde gar nicht schwer, wenn Sie ein paar Regeln beachten. Der größte Vorteil für Sie: Ihnen liegen bereits sämtliche Kursinhalte vor, die "nur noch" für ein anderes Medium aufbereitet werden müssen. Und sicherlich steht hinter den Inhalten auch eine fundierte Analyse, für wen der Kurs geeignet ist, welche Ziele er verfolgt und wie sich die Zielgruppe genau darstellt. Wollen Sie nun Ihre Präsenzkurse als Online-Kurse abbilden, müssen Sie auf jeden Fall die didaktischen und die technischen Besonderheiten des E-Learnings beachten. In diesem Beitrag erklären wir Schritt für Schritt, wie Sie dabei vorgehen, welche speziellen Anforderungen es zu beachten gilt und wie Sie aus Ihrer Präsenzschulung einen begeisternden und  erfolgreichen Online-Kurs erstellen.

Warum es sich lohnt, Präsenzschulungen in Online-Kurse umzuwandeln

Zeit- und Ortsunabhängigkeit

Die Lernenden können jederzeit und von überall auf die Schulungen zugreifen und sind damit nicht mehr räumlich und zeitlich gebunden. Das bringt Flexibilität in den Alltag der Teilnehmenden und Lernen findet dann statt, wenn die eigenen Gegebenheiten es am besten zulassen.

Kosteneffizienz

Online-Kurse sind in der Anzahl der Teilnehmenden nicht begrenzt. Darüber hinaus müssen sie nur einmalig entwickelt werden und stehen dann dauerhaft zur Verfügung, während für Präsenzschulungen immer aufs neue Organisationsaufwände anfallen. Darüber hinaus fallen weder Reise-, Übernachtungs- oder Ausfallkosten an.

Mehrsprachigkeit

Ein Online-Kurs lässt sich auf ganz einfache Art und Weise in unzählig viele verschiedene Sprachen übersetzen, sodass Weiterbildung ganz einfach international stattfinden kann. Ein integriertes Übersetzungsmanagement unterstützt Sie im Prozess und macht die Zusammenarbeit mit Agenturen oder Dienstleistern einfach.

Qualitätssicherung

Schwankungen in der Qualität der Weiterbildung sind komplett ausgeschlossen, da es keine Abhängigkeiten von der Tagesform des Trainers mehr gibt.

Umweltfreundlichkeit

Die Digitalisierung von Kursen vermeidet die Emissionen, die durch die Anreise entstehen und spart gleichzeitig auch anfallendes Papier.

Komprimierung

Die Erstellung eines Online-Kurses nimmt im Schnitt 50% der Zeit in Anspruch, die eine Präsenzveranstaltung benötigt.

1. Analyse: Sind die Inhalte der Schulung für einen Online-Kurs geeignet?

Zunächst sollten Sie analysieren, ob sich die Inhalte der Präsenzschulung überhaupt für einen Online-Kurs eignen. Nicht alle Inhalte sind für eine reine Digitalisierung gemacht. Besonders bei Kombination von theoretischen und praktischen Inhalten kann es sinnvoll sein, nur Teile des Kurses zu digitalisieren und in ein Blended-Learning-Setting zu bringen. Schauen Sie sich daher Ihre Lerninhalte Abschnitt für Abschnitt an. Wichtig: Auch praktische Inhalte können digitalisiert werden und hierfür stehen spezielle Features zur Verfügung. Dennoch gibt es natürlich Experimente, Abläufe und Übungen, die die Kursteilnehmenden einfach selbst probiert haben müssen, um sie zu lernen.

Eignet sich Ihre bisherige Präsenzschulung für die Darstellung in Form eines Online-Kurses, unterscheidet sich die Umwandlung Ihrer Inhalte kaum von der Arbeit, als würde ein E-Learning Autor von Beginn einen reinen Online-Kurs erstellen. Sie haben jedoch einen großen Vorteil: Die grundlegende Recherche- und Analysearbeit wurde bereits geleistet. Prüfen Sie trotzdem noch einmal, ob folgende Punkte aus dem Bereich "Recherche und Analyse" bereits definiert wurden, bevor Sie mit der tatsächlichen Erstellung des Online-Kurses beginnen:

Zieldefinition

Auch, wenn Sie Ihr Lernziel bereits durch die Präsenzschulung kennen, kann es für die Erstellung des Online-Kurses hilfreich sein, es noch einmal klar zu benennen. Was sollen die Lernenden nach Abschluss des Kurses wissen oder tun können? Die präzise Beantwortung hilft, Inhalte eventuell noch einmal zu selektieren oder zusätzliche hinzuzufügen.

Ein Lernziel könnte beispielsweise wie folgt formuliert werden:

“Die Kursteilnehmer sollten in der Lage sein, in der neuen Projektmanagement-Software eigenständig Aufgaben für sich und andere Teammitglieder anzulegen und zu terminieren, Arbeitsfortschritte einzutragen, den Projekten Dateien zuzuweisen und abgeschlossene Projekte zu archivieren.”

Aus dieser Zielstellung lassen sich später präzise die Inhalte des Kurses ableiten und Lernerfolge auswerten. Würden Sie stattdessen formulieren “Die Mitarbeiter sollten in der Lage sein, mit der neuen Projektmanagement Software umzugehen”, würde es Ihnen vermutlich schwerer fallen abzuwägen, welche Inhalte für den Software-Grundkurs wirklich relevant wären. Auch wäre es hinterher nicht möglich, den Erfolg des Kurses deutlich zu verifizieren.

Zielgruppenanalyse

Da Sie die Kursteilnehmenden bereits von Präsenzveranstaltungen kennen, haben Sie damit fast automatisch eine Zielgruppenanalyse durchgeführt. Führen Sie sich trotzdem noch einmal folgende Aspekte vor Augen:

  • Wie alt sind die Lernenden?
  • Welche technischen Voraussetzungen und Kenntnisse bringen die Lernenden mit?
  • Welche Lerntypen sind die Teilnehmenden?
  • Gibt es Lernende mit Einschränkungen?

Von diesen leitet sich ab, mit welchen Medien Sie arbeiten, wie interaktiv der Kurs gestaltet werden kann, wie umfangreich die einzelnen Lektionen sein dürfen usw.

Zielgruppe
weiterlesen: Welche Elemente passen zu welchem Lerntyp?

Analyse der Lernbedingungen

Während Ihnen das bisherige Lernumfeld bekannt war, ändern sich mit der Digitalisierung nun die Gegebenheiten:

  • In welcher Umgebung lernen die Teilnehmenden?
  • Welche Geräte nutzen sie?
  • Und stehen diese Geräte zur Verfügung oder müssen sie bereitgestellt werden?

Lernen die Teilnehmenden beispielsweise vor allem in Transit auf dem Arbeitsweg, würden Sie die einzelnen Lektionen eher in kurzen Nuggets anbieten. Die genutzten Geräte entscheiden wiederum über die Darstellung der Inhalte. Grundlegend ist es hier von Vorteil, mit einer Software zu arbeiten, die von Vornherein eine vollständig responsive Variante der Online-Kurse anbietet.

2. Der didaktische Workflow für Ihren Online-Kurs

Mit Sicherheit wird Ihre Präsenzschulung auf einem didaktischen Konzept basieren. Die Digitalisierung verlangt jedoch nach einem erweiterten Konzept, das die Spezifikationen des E-Learnings berücksichtigt. Beachten Sie folgende vier Punkte:

Die Strukturierung des Kurses in Kapitel und Unterkapitel

Um die einzelnen Wissensbausteine nachhaltig auch in anderen Online-Kursen wiederverwenden zu können, müssen diese im Autorentool als separate Kapitel (Wissensbausteine) angelegt werden. Je kleiner dabei die Bausteine, desto besser lassen sie sich später recyclen. Hierfür müssen Sie lediglich das Inhaltsverzeichnis Ihrer Präsenzschulung in eine Kapitelform übertragen. Wichtig ist hierbei, fein zu gliedern und zu überprüfen, ob sich aus jedem Kapitel und Unterkapitel ein Lernziel ableiten lässt.

BEISPIEL:

Kapitel 1: ÜBERBLICK ÜBER DEN FUNKTIONSUMFANG
Abgeleitetes Lernziel: Die Lernenden sollen am Ende des Kapitels einen Überblick über die grundlegenden Funktionen der Software haben, ohne diese dabei zu beherrschen

Kapitel 2: EIN PROJEKT ANLEGEN
Abgeleitetes Lernziel: Die Lernenden sollen in der Lage sein, ein Projekt mit Unteraufgaben korrekt anzulegen, diese zu terminieren und Teammitglieder hinzuzufügen 

Unterkapitel 2.1.: Das Projekt anlegen
Unterkapitel 2.3.: Teammitglieder hinzufügen
Unterkapitel 2.3.: Unteraufgaben anlegen
Unterkapitel 2.4.: Die Unteraufgaben einem Teammitglied zuweisen

Den Lernpfad festlegen

Online-Kurse bieten Ihnen und den Teilnehmenden im Gegensatz zur Präsenzschulung schon während des Kurses die Möglichkeit, Wissen zu überprüfen und eventuelle Wissenslücken rechtzeitig zu erkennen. Mit der Definition des sogenannten Lernpfads legen Sie fest, wie Sie die einzelnen Kapitel bewerten. Muss ein Kapitel erst erfolgreich abgeschlossen werden, um wieder andere freizuschalten oder können die Unterkapitel unabhängig voneinander absolviert werden? Und welche Kapitel müssen zusätzlich mit einem Test abgeschlossen werden, um als erfolgreich absolviert zu gelten?

Medieneinsatz nach Lernzielen und Zielgruppen

Professionelle Autorentools bieten eine Vielzahl an interaktiven Elementen, Medien und Gamification-Tools. Diese können Sie gezielt nach Lernziel, Zielgruppen und Lernumgebung auswählen. Entscheiden Sie, welche Medien am ehesten zum Lernziel führen und welche am besten zu den Präferenzen der Teilnehmenden passen. Vorteilhaft ist, dass Ihnen die Vielfalt der Elemente ermöglicht, auf die unterschiedlichen Lerntypen einzugehen.

Das Storyboard erstellen

Sind Kapitel, Lernpfad und Medieneinsatz definiert, können Sie den Kurs in einem Storyboard choreographieren. Ein solches Storyboard kann eine einfache Exceltabelle oder auch eine digitale Visualisierung sein. Hierbei werden jedem einzelnen Unterkapitel folgende Informationen hinzugefügt:

  • Titel des (Unter)kapitels
  • Text und Elemente (grob skizziert)
  • Inhalte von Audio- oder Videodateien (grob formuliert)
  • interaktive Elemente
  • Navigationselemente und eventuelle Verzweigungen
  • Hinweise zum Lernpfad und Abhängigkeiten zwischen den Unterkapiteln
E-Learning Storyboard
weiterlesen: So erstellen Sie step by step das didaktische Konzept für Ihren Online-Kurs

3. Was einen guten E-Learning Kurs ausmacht: 5 Tipps

Das didaktische Konzept Ihres Online-Kurses samt Zielgruppenanalyse, Lernpfad und Storyboard liegen fertig vor Ihnen. Im Storyboard haben Sie auch bereits eine Auswahl an potenziellen Medien festgelegt, mit denen Sie Ihre Inhalte vermitteln wollen. Nun sind Sie bereit, die Präsenzschulung im Autorentool als E-Learning Kurs umzusetzen. Folgende 5 Tipps machen Ihren Kurs garantiert zum Erfolg:

Weniger ist mehr

Während es bei Präsenzschulungen durchaus vorkommt, dass die Teilnehmenden hin und wieder ein paar Sätze des Vortrags verpassen, erfordert E-Learning durch die Interaktivität einhundertprozentige Aufmerksamkeit von den Teilnehmenden. Entsprechend schneller passiert es, dass sich die Lernenden durch die Informationsflut überfordert fühlen. Um genau dieser Überforderung und Demotivation vorzubeugen, gilt beim Online-Kurs die Maxime: Weniger ist mehr. Reduzieren Sie dafür zunächst Ihre Texte auf ein nötiges Minimum, vermeiden Sie unnötige Füllwörter und Redundanzen. Darüber hinaus werden Sie in Ihrem Autorentool (im Optimalfall) jede Menge Elemente finden, die Ihnen dabei helfen, die Inhalte interaktiv aufzubereiten und reine Textabschnitte zu reduzieren.

Interaktivität

Während man gelesenen Text relativ schnell wieder vergisst, kann man sich Informationen umso besser merken, wenn man selbst direkten Einfluss auf das Geschehen im Online-Kurs nehmen kann. Ganz egal, ob nun interaktive Tabs, Ausklappboxen, Bilder- und Textkarusselle, Akkordeons, Buttons, Hotspots, interaktive Flipcards und Videos - Je mehr die Lernenden in die Situation kommen, mit dem Inhalt zu interagieren, desto steiler wird die Lernkurve sein. Scheuen Sie sich also nicht davor, die gesamte Bandbreite der angebotenen Elemente auszuschöpfen.

Quizze und Tests

Wissen muss regelmäßig überprüft werden, damit es sich auch wirklich festigt. Bevor es aber zur eigentlich Prüfung geht, helfen Quizzes und Tests dabei, die Lernenden spielerisch vorzubereiten. Nicht nur, da sie so ihr Wissen unter Beweis stellen und sich selbst überprüfen können, sondern auch, da Quizzes sukzessiv die Angst vor großen Prüfungen abbauen. Die Kontrollfragen können an jeder Stelle im Kurs eingebunden werden und unterschiedlich umfangreich ausfallen. Unterschiedliche Fragetypen ermöglichen eine abwechslungsreiche und inhaltsbasierte Gestaltung der Tests.

Gamification

Während Interaktionen die erste Stufe sind, um die Teilnehmenden ins Bildschirmgeschehen zu involvieren, geht Gamification noch einen Schritt weiter: Beispielsweise können Mitarbeitende mit Knowledgeworker Quiz gegeneinander oder einen Bot antreten und dabei Wettbewerbe und Duelle bestreiten. Neugier und Ehrgeiz fördern die persönliche Motivation, die Herausforderung erfolgreich zu bestehen. Auf spielerischem Wege wiederholen und festigen die Teilnehmenden so bereits erlangtes Wissen aus den Kursen.

Barrierefreiheit

Beachten Sie beim Einsatz der Elemente, dass immer die Option zu einer alternativen Ausgabe besteht, damit ggf. auch Menschen mit Einschränkungen die Kurse vollständig nutzen können. Lösungen können beispielsweise die Ausgabe von Sprechertexten als Audio, die Bedienbarkeit mittels Tastatursteuerung und die Ausgabe von alternativen Texten für Bildmedien sein. Sind bei den betreffenden Personen unterstützende Technologien wie Screenreader im Einsatz, können diese bereits viele Lösungsansätze bieten.

Weiterlesen: Tipps für die Erstellung erfolgreicher Online-Kurse

Fazit

Die Digitalisierung von Präsenzschulungen bietet zahlreiche Vorteile. Sie schont durch entfallende Reise-, Übernachtungs- und Ausfallkosten und Materialien nicht nur die Umwelt, sondern steigert auch die Nachhaltigkeit und Effizienz des Bildungsvorhabens. Gleichzeitig ist die Digitalisierung einer Präsenzschulung leichter als eine Neuerstellung, da Ihnen bereits sämtliche Inhalte vorliegen und Sie Großteile der Analysephase überspringen können.
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